Napoleon

Kriegserfahrungen der bayerischen Bevölkerung zur Zeit Napoleons – Die Klasse 8e auf Spurensuche im Archiv des Erzbistums München und Freising (SJ 2015-16)

„Ich wäre gerne noch etwas länger unten im Archiv gewesen.“ „Gelungen ist, dass man verschiedene Arten von Quellen sehen konnte, dass wir selber mit den originalen Büchern arbeiten durften.“ „Ich fand das mit der Mutter von den beiden Walburgas mega interessant.“ – Das sind einige Eindrücke der Klasse 8e, die am 13.01.2016, einem gewöhnlichen Mittwoch eine nicht ganz gewöhnliche Exkursion nach München unternahm. Ziel war das Archiv des Erzbistums München und Freising, das bereits vom Gebäude her eine Besonderheit darstellt, befindet es sich doch in den Räumen der ehemaligen Kirche des Anfang des 19. Jahrhunderts säkularisierten Karmelitenklosters. In Empfang genommen wurde die Klasse dabei von Herrn Dr. Roland Götz, der die Schülerinnen und Schüler an diesem Vormittag in seiner stets freundlichen und zugewandten Art betreute.

Zunächst gab es Einblicke in die Frage, wofür es ein Archiv überhaupt gibt. Als Ort, an dem Quellen aufbewahrt werden, ist es so etwas wie das gemeinschaftliche Gedächtnis der Menschen für ihre Vergangenheit. Da die dort archivierten Akten, Urkunden. Briefe, Bücher etc. Einzelstücke und damit sehr wertvoll sind, müssen sie auch sehr sorgfältig gelagert werden, um sie möglichst lange erhalten und bewahren zu können. Davon konnte sich auch die 8e überzeugen, als sie durch die Magazinräume geführt wurde. Nicht nur, dass es den Schülerinnen und Schülern bei einer Temperatur um die 18° C ziemlich rasch ziemlich kalt wurde, sie sahen auch nicht Quellen, sondern meterweise Regale voller säurefreier Schachteln, in denen sich die Quellen verbergen. All das ermöglicht einen optimalen Schutz des wertvollen Archivbestandes. Jedoch hatte die Klasse Glück, denn Herr Dr. Götz öffnete für sie die eine oder andere Schachtel, so dass so einige der Raritäten hervorgeholt wurden und bestaunt werden konnten.

Im weiteren Verlauf erhielten die Schülerinnen und Schüler dann sogar die Gelegenheit, sich selbst auf Spurensuche zu begeben und im Rahmen von Gruppenarbeiten den Kriegserfahrungen der bayerischen Bevölkerung um die Wende zum 19. Jahrhundert nachzuspüren. Das Kurfürstentum Bayern war nämlich damals einer der Schauplätze für die Kriege, mit denen Europa während der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons überzogen wurde. Somit wimmelte es in Bayern nur so von österreichischen und französischen Truppen, die Quartier und Verpflegung benötigten und deshalb in vielfältiger Weise in Berührung mit der Zivilbevölkerung kamen, mal einvernehmlich, sehr häufig aber auch konfliktträchtig. So wurde fleißig und mit viel Forscherdrang die alte Schrift in Klostertagebüchern, Pfarrbüchern und Briefen entziffert, teilweise Lateinisches ins Deutsche übersetzt und so manches Schicksal zu Tage gefördert; u. a. auch die bemerkenswerte Tragödie der Theresia Karl, die innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal Opfer einer Vergewaltigung geworden war und zwei Mädchen zur Welt brachte. Kurioser Weise war der Vater des älteren Mädchens namens Walburga – es muss gestorben sein, da das jüngere Mädchen den gleichen Namen erhielt – ein österreichischer Soldat, während es sich beim Vater des zweiten Kindes um einen französischen Soldaten handelte. Das machte, wie an der oben zitierten Äußerung erkennbar, sichtlich Eindruck und so war der Archivbesuch der Klasse 8e nicht nur einfach ein Ausflug, sondern eine Reise in die Vergangenheit, wie sie für den Geschichtsunterricht nicht alltäglich ist.

Johannes Weikmann

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