Israel-Austausch 2018

Durch den langjährigen Kontakt zu unserer israelischen Partnerschule in einem Vorort von Tel Aviv hatten auch dieses Jahr die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Israelaustausch unter der Leitung von Herrn Greif die Möglichkeit, eine Woche lang die jüdische Kultur und auf einer Rundreise das „heilige Land“ kennenzulernen.

Am Sonntag, den 21.10.2018 trafen wir uns - wie zu Schulbeginn – um acht Uhr morgens mehr oder weniger wach am Flughafen Terminal in Richtung Israel. Die Sicherheitsbefragung überstanden wir alle gut, so dass die erste Hürde auf unserer Reise schon mal geschafft war. Etwas erschöpft kamen wir dann am späten Nachmittag an Tel Avivs Flughafen David Ben Gurion an. Dort wurden wir, nachdem wir es durch die Kontrollen geschafft hatten und alle ihr Gepäck wiedergefunden hatten, von unseren Austauschschülern in Empfang genommen. Diesen ersten Tag ließen wir bei einem gemeinsamen Abendessen in einem typisch israelischen Restaurant in den Straßen von Rechovot ausklingen. Dort bekamen wir also einen ersten Einblick in die Kultur, die uns in der nächsten Woche erwarten würde. Und spätestens als wir bei noch sommerlich angenehmen Temperaturen auf der Dachterrasse von einer der Austauschschülerinnen saßen, waren wir alle richtig in Israel angekommen.

Viel Zeit, um die israelischen Familien kennenzulernen, blieb uns jedoch nicht, da es für uns Deutsche am Tag darauf schon auf eine Rundreise in Richtung Süden ging. Mehr oder weniger ausgeschlafen fuhren wir also am Montag – mal wieder zu Schulzeiten – um acht Uhr von der israelischen Schule in Givat-Brenner los durch die Wüste Negev bis zu der einst von den Römern belagerten Bergfestung Massada - hoch über dem Toten Meer auf einem Tafelberg gelegen. Bei über 30 Grad und ohne Schatten hatten wir nicht die idealen Wanderbedingungen, daher freuten wir uns aber umso mehr auf das anschließende Baden im Toten Meer. Natürlich kannten wir alle die Bilder von den im Wasser Zeitung lesenden Urlaubern, wir waren aber trotzdem alle überwältigt von dem Gefühl, im Wasser zu „schweben“. Ziemlich schnell mussten aber auch einige von uns feststellen, dass das Salz unangenehm brennt in den Augen und sich auch das Schwimmen eher als schwierig gestaltet, wenn die Füße immer an die Wasseroberfläche gezogen werden. Dieser Ausflug zum Toten Meer war definitiv eine tolle Erfahrung für jeden von uns und gehört zu den Dingen, die man selbst gemacht haben muss, um sie sich wirklich vorstellen zu können. Danach fuhren wir weiter durch die Wüste bis zu unserem Hotel in Eilat, in dem wir die nächsten zwei Nächte wohnen sollten.

Das Kontrastprogramm zum Toten Meer bot uns am nächsten Tag der Ausflug ans Rote Meer zum Schnorcheln am nördlichsten Korallenriff der Welt. Dort gab es eine Vielzahl „exotischer“ Fische und wir konnten noch einmal richtig Sonne tanken. Ähnlich „sportlich“ ging es dann am Nachmittag weiter zu einer Kameltour in der Wüste. Mit Herrn Greif auf seinem „Stammkamel“ Leila durften wir uns eine Stunde lang von den Kamelen um deren Ranch tragen lassen, bevor wir zum Abendessen dort in ein Beduinenzelt eingeladen wurden. Neben dem typischen Tee, den es in Israel überall gibt, gab es riesige Vorspeisenplatten und frisch über dem Feuer gebackenes Brot.

Am Mittwoch stand schon wieder unsere Rückreise in Richtung Tel Aviv an. Auf unserer Fahrt besichtigten wir aber noch verschiedene Sehenswürdigkeiten. Dazu gehörte als erstes der Timna Nationalpark, eine Art „Death Valley für Arme“. Die verschiedenen Gesteinsformationen waren aber wirklich beeindruckend und wir kamen dort alle auf unsere Kosten beim Klettern, Fotografieren oder auch einfach beim Schauen. So konnten wir eine 4000 Jahre alte Kupfermine erkunden. Bei der Weiterfahrt machten wir noch einen Stopp in den Kibbuzim Mizpe Ramon und Sede Boker. In Sede Boker waren wir sogar genau passend zum Sonnenuntergang am Grab des ersten Staatspräsidenten Ben Gurion und hatten eine wirklich tolle Aussicht bei fantastischem Licht. Das Tüpfelchen auf dem i waren dann noch die Steinböcke, die fast handzahm in der ganzen Umgebung herumgelaufen sind. So kamen wir mit sehr vielen neuen Eindrücken, insbesondere von der Schönheit der Natur in Israel, zurück zu unseren Austauschschülern.

Am Donnerstag hatten wir mit unserer Fahrt nach Jerusalem den von der Sicherheitslage her wahrscheinlich riskantesten Ausflug. Bei unserem Spaziergang durch die Altstadt bemerkten wir aber auch schnell, dass hier Araber mit Juden und Christen friedlich zusammen leben und die gegenseitige Unterstützung auch benötigen. Neben der Grabeskirche besichtigten wir auch die Klagemauer und auf der gegenüberliegenden Seite den Ölberg, von dem aus man eine wunderbare Aussicht auf Jerusalem hat. Aber auch das Schlendern durch die kleinen Verkaufsgassen durfte natürlich nicht fehlen und als Kontrast zu Jerusalems Altstadt besuchten wir vor der Heimfahrt noch die Knesset, das Parlamentsgebäude des Staates Israel.

Am Freitag bekamen wir endlich die Möglichkeit, auch Tel Aviv anzuschauen. Bei einer Führung von Shlomi Chanoch, die von der antiken Altstadt  von Jaffa über das amerikanische Viertel nach Tel Aviv führte, bekamen wir einen guten historischen wie geografischen Überblick über die eigentlich ehemals zwei Städte. Da unsere israelischen Austauschschüler ja schon im Wochenende waren, kamen die meisten nach Tel Aviv, um uns dort noch etwas von der Stadt zu zeigen. Jedoch nicht zu lang, da wir mit dem letzten Zug, bevor der Shabbat anfing, wieder zurück in unsere Wohnorte mussten. In den meisten Familien gab es dann abends ein großes Familienessen, bei dem sich die ganze Großfamilie in einem Haus trifft und jeder etwas zum gemeinschaftlichen Abendessen mitbringt. Das war für viele von uns wahrscheinlich der Tag, an dem wir den meisten Einblick in die jüdische Kultur bekamen.

Am Shabbat hatten wir dann das erste Mal in dieser Woche die Möglichkeit auszuschlafen und eine intensive Zeit mit unseren Gastfamilien zu verbringen, bis wir uns am Nachmittag bei einer Strandparty aller wiedertrafen. Mit DJ und Sonnensegel war das eine wunderschöne Location direkt am Strand, zu der außer unseren Austauschschülern auch viele andere Israelis kamen.

Den Sonntag starteten wir für uns ungewohnt in der Schule. Nach einer Feedbackrunde zu dem Austausch mit Israel fuhren wir Deutsche noch ein letztes Mal in Richtung Jerusalem zur Gedenkstätte Yad Vashem, in der die jüdische Geschichte und vor allem der Holocaust noch einmal detailliert aufgearbeitet sind und auf einem großen Areal verschiedene Denkmäler zu finden sind, unter anderem auch eine Kopie des Denkmals für die Opfer des Todesmarschs vor dem Gautinger Friedhof. Dieser Besuch rundete unseren gesamten Austausch gut ab, bevor wir nach einem Abschiedsabend bei einem der Austauschschüler in der Nacht zum Flughafen fuhren. Nach einer sehr eindrucksvollen, aber auch anstrengenden Woche in Israel, warteten Zuhause in Deutschland der Alltag und das nicht gerade warme Wetter auf uns. Vorher mussten wir uns aber noch durch die vielen Kontrollen und die Befragung schleppen, bis wir endlich um sechs Uhr morgens im Flieger saßen und ein paar Stunden später wieder an dem Terminal standen, von dem wir eine gute Woche zuvor gestartet waren.

Gerade der intensive Austausch und die Erfahrungen, die wir aus den Gastfamilien mitnehmen konnten, haben uns eine neue Perspektive auf das Land Israel und dessen Bevölkerung gegeben. Wir konnten Eindrücke sammeln, die uns unser Leben lang begleiten werden und die uns insbesondere im Hinblick auf die aktuellen und kommenden politischen Geschehnisse im Nahen Osten einen anderen Denkansatz vermitteln.

Julie Germeier